KultUp (9) im MMK Frankfurt – „Wir betrachten die Betrachter beim Betrachten“

KultUp (9) zu „Rineke Dijkstra The Krazy House“ | Foto: MMK Frankfurt, Axel Schneider

KultUp (9) zu „Rineke Dijkstra The Krazy House“ | Foto: MMK Frankfurt, Axel Schneider

Am 24. April 2013 hieß es für KultUp „back to the roots“: das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt, wo vor fast genau einem Jahr unser erster Frankfurter Kultur-Tweetup stattfand, erwartete uns zum zweiten Mal zu einer Kuratorenführung. Dieses Mal durch die Ausstellung „Rineke Dijkstra The Krazy House“.

Da die Frankfurter KultUp-Community nach unseren Gastspielen im Stadtarchiv Speyer und Theater Heilbronn quasi schon mit den Hufen scharrte, waren der Einladung zum gemeinsamen Kunsterlebnis rund 30 Twitterer gefolgt.

Begleitet von guten Wünschen, auch aus dem Kreis „unserer“ Kultureinrichtungen, starteten wir mit dem stellvertretenden MMK-Direktor Peter Gorschlüter in die Welt der Niederländerin Rineke Dijkstra, die international zu den bekanntensten Foto- und Videokünstlerinnen zählt. Dass sie die Ausstellung mitkuratiert und mit rund 100 Werken aus der Sammlung des MMK kombiniert hatte, hatten wir unseren KultUp-Followern mit unseren Infotweets im Vorfeld des Tweetup schon verraten.

So wussten einige bereits, was es mit dem Picasso auf sich hatte, dem wir gleich zu Beginn der Führung begegneten:

(Credits: Pablo Picasso, Weeping Woman, 1937 © Tate, London / Succession Picasso /
VG Bild-Kunst, Bonn 2013)

Oder sie erfuhren es, wie die online Teilnehmenden, die wir wieder aufgefordert hatten, Fragen zu stellen, im Laufe der Führung:

Die Videoarbeit „I See A Woman Crying“ war einer der eindrucksvollen Höhepunkte der Führung. Dijkstra dokumentiert darin, wie eine britische Schulklasse Pablo Picassos Bild „Weeping Woman“ – DEN Picasso also – beschreibt (ein Ausschnitt ist in der Ausstellungsbesprechung des art Magazins zu sehen).

Von welchen Werken die Tweetup-Teilnehmenden noch beeindruckt waren und wie sie die Führung twitternd kommentiert und mitgestaltet haben, ist in unserem ausführlichen Storify – quasi dem Director’s CutKultUp (9) im MMK Frankfurt „The Krazy House“ nachzulesen.

Gefreut hat uns der Selbstversuch zweier F.A.Z.-Journalistinnen, die als Twitter-Neulinge am KultUp vor Ort und zu Hause teilgenommen haben und ihre persönlichen Eindrücke und Wahrnehmungen im Beitrag „Twittern im Museum: Alles aus zweiter Hand“ festhielten.

Fakten, Fakten, Fakten

An dieser Stelle folgt üblicherweise die Aufzählung der „harten Fakten“: die beeindruckende Anzahl der verschickten Tweets und die noch imposantere Followerzahl der Teilnehmenden, die während des Tweetup – theoretisch – erreicht wurden. Sie können sich durchaus sehen lassen, sind aus unserer Sicht allerdings nur bedingt aussagekräftig. Natürlich ist es wünschenswert und schön, eine gute Stunde lang Aufmerksamkeit auf Twitter zu erzeugen und zu erhalten. Aber es ist nicht (alleiniger) Sinn und Zweck eines Kultur-Tweetup wie wir ihn verstehen (s. Was ist und was bringt ein KultUp).

Uns liegt daran, die Interessierten bereits im Vorfeld, meist über einen Zeitraum von zwei Wochen, auf den bevorstehenden KultUp einzustimmen und hilfreiche Hinweise etwa zur Künstlerin, zur Ausstellung und den Werken sowie zum Museum selbst zu geben. Dadurch werden nicht nur potenzielle Twitterer auf das Event aufmerksam, sondern es entstehen bereits Gespräche unter den Twitterern im Vorfeld. In Zahlen ausgedrückt, sah das dieses Mal so aus:

Übersicht Tweets zum KultUp im MMK Frankfurt

Übersicht Tweets zum KultUp im MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt | Grafik: Ulrike Schmid (KultUp)

Wir teilen Meinungen wie diese einer Teilnehmerin (sinngemäß zitiert):

„Wenn ich zu einem Event gehe, möchte ich meine Timeline nicht mit Tweets überschwemmen, sondern das twittern, was mir wichtig ist. Lieber weniger und gehaltvoller als Dauerbeschallung.“

Im Gegensatz zu den häufig in Printmedien kolportierten Äußerungen, geht es bei unseren Kultur-Tweetups nicht um einen Schnelligkeitswettbewerb im Dauertwittern, sondern um das gemeinschaftliche Erleben von Kunst und Kultur. Es geht darum, (überhaupt einmal) mit Kultur und Kultureinrichtungen in persönlichen Kontakt zu kommen, der viel leichter herzustellen ist, wenn man sich schon „von Twitter kennt“. Wo sonst findet man so schnell eine Gruppe Gleichgesinnter, mit denen man sich ohne Berührungsängste locker und humorvoll über Kunst und Kultur austauschen kann, ohne dass, wie ebenfalls oft befürchtet, gleich das „Niveau sinkt“?

Bei welcher anderen Gelegenheit kann ich mich selbst mit meinen Gedanken, Ideen und künstlerischen Eingebungen in einer unmittelbaren Art wie zum Beispiel dieser beteiligen?

Es ist das gemeinsame Erlebnis, das die Teilnehmenden auch lange über den Tag hinaus verbindet. Wenn der nächste Ausstellungsbesuch ansteht, wird die Entscheidung womöglich eher für eine Einrichtung fallen, die in guter Erinnerung ist. Das „Investment“ in einen Kultur-Tweetup zahlt sich aus, wenn man als offenes und einladendes Haus wahrgenommen wird, wenn von den Teilnehmenden hoch geschätzt wird, dass man „einfach mal vorbeikommen“ und an einer Führung teilnehmen kann, die sich aus den genannten Gründen von den herkömmlichen unterscheidet.

Dass dieses Konzept aufgeht, zeigt uns das durchweg positive Feedback der Teilnehmenden, das uns sehr wichtig ist. Daher lassen wir am Ende doch einen von ihnen selbst erzählen, warum ein KultUp Kultur-Tweetup für ihn „eine ganz eigene Form der Aneignung einer Ausstellung“ ist (@herrlarbig):

audioBoo: #kultup – Twitter-Führung im @mmkfrankfurt zu #Rineke #Dijkstra „The #Krazyhouse“

„Tweet up your cultural life!“

Was die KultUp-Teilnehmenden aus unserem Motto machen, fasziniert und freut uns jedes Mal aufs Neue. Wir danken allen, die sich vor Ort und online so rege beteiligt haben und ganz besonders herzlich dem Team des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt! Für die erneute Einladung, die perfekte Organisation des KultUp und dafür, dass wir den Abend bei euch noch in geselliger Runde ausklingen lassen konnten.

KultUp (9) im MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt | Foto: MMK, Axel Schneider

KultUp (9) im MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt | Foto: MMK, Axel Schneider

Bis zum nächsten Mal!

Euer KultUp-Team Ulrike & Birgit

Weitere Beiträge zum KultUp (9) im MMK Frankfurt:

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