KultUp (8) im Theater Heilbronn – Twittern von den Brettern, die die Welt bedeuten

KutUp (8) im Theater Heilbronn zur Bühnenprobe der Oper „Minsk“ (UA) | Foto: Birgit Schmidt-Hurtienne/KultUp

KutUp (8) im Theater Heilbronn zur Bühnenprobe der Oper „Minsk“ (UA)
Foto: B. Schmidt-Hurtienne/KultUp

Am 16. Februar hieß es „Twitter frei!“ aus dem Theater Heilbronn. Als erstes deutsches Stadttheater ergriffen die Heilbronner die Initiative, Twitterern die Türen des Theaters zu öffnen und sie an einer Bühnenprobe zur Oper „Minsk“ teilhaben zu lassen, die am 3. März uraufgeführt wird. KultUp durfte das Theater Heilbronn bei diesem Experiment begleiten.

Vorbereitungen auf den großen Tag

Wie bei unseren KultUp Kultur-Tweetups üblich, haben wir die Community bereits drei Wochen vor dem Event auf den bevorstehenden Probenbesuch eingestimmt. Täglich gab es interessante Informationen zum Stück, zum Komponisten, zur Librettistin, zu den Mitwirkenden, selbst die Fortschritte beim Bau des Bühnenbilds konnten via Twitter mitverfolgt werden.

Entsprechend gespannt wurde der große Tag erwartet, an dem wir erstmals erfahren würden, was während einer Theaterprobe passiert. Es war eine Premiere in mehrfachem Sinne:

  • der erste Kultur-Tweetup an einem deutschen Theater überhaupt
  • die exklusive Gelegenheit für die Teilnehmenden, als Erste einen Blick auf das Bühnenbild werfen und noch vor der Uraufführung eine Szene aus Minsk miterleben zu dürfen
  • die exklusive Gelegenheit, als twitternde Statisten auf der Bühne mitzuwirken – näher dran geht nun wirklich nicht

Wir fanden es besonders schön zu beobachten, wie viele Kultureinrichtungen sich interessiert am KultUp zeigten, den Heilbronner Kollegen Erfolg wünschten, den Probenverlauf von der Ferne aus mitverfolgten und/oder kommentierten:

Für uns war das ein schönes Zeichen dafür, dass sich nicht nur die Twitterer, sondern mittlerweile auch die Kultureinrichtungen selbst als Teil der KultUp-Community verstehen.

„Twitter frei!“ – KultUp im Theater Heilbronn

Vor Ort fanden sich am 16. Februar ca. 30 Twitterer aus Heilbronn oder von weit her angereist kurz vor 10 Uhr im Foyer des Theaters ein. Auch die „klassischen Medien“ (SWR Radio und TV, L-TV, Heilbronner Stimme) zeigten großes Interesse. Nach der Begrüßung durch den Dramaturgen Johannes Frohnsdorf hieß es schon bald

und schon zogen wir ein in die „heiligen Hallen“, zu denen Sterbliche während der Proben normalerweise keinen Zutritt haben.

Regisseur Christian Marten-Mólnar hieß uns willkommen und gab uns im Verlauf der Probe immer wieder interessante Einblicke in die Theaterarbeit, sowohl zur szenischen Erarbeitung als auch zur Theatertechnik.

@bb_wortgewandt alias Bianka Blavustyak, eine KultUp-Teilnehmerin und regelmäßige Besucherin des Theaters, fasste in ihrem Beitrag zusammen, was diese Erläuterungen für sie bedeuteten:

Ich verstehe, dass weder Regisseur noch Ensemble ständig Zuschauer in den Proben haben wollen. Daher war dieser seltene Einblick, den wir bekommen durften, natürlich umso wertvoller. Als Theaterbesucherin war das für mich echt ein Mehrwert! Interessant auch immer wieder die Erklärungen des Regisseurs zum Bühnengeschehen. Dass die Proben zu großen Teilen nur mit Klavierbegleitung stattfinden und erst in den letzten Zügen mit dem Orchester gemeinsam geprobt wird. Wie die Kostüme der Statisten und Darsteller im Stück aussehen werden, da wir nur die Probenkostüme zu sehen bekamen (die allerdings, Rentierpulli sei Dank, für Gesprächsstoff und Erheiterung sorgten). Wie die Beleuchtung im Stück dann sein wird, da in den derzeitigen Proben noch mit gleichbleibender Beleuchtung gearbeitet wird. Und und und. So viele Hintergrundinfos zu bekommen war einfach klasse!

Das Geschehen auf der Bühne wurde intererssiert beobachtet und fleißig kommentiert:

Auch das „Zwischenmenschliche“ kam in Gestalt reger Diskussionen über die Probenkostüme der Statisten – speziell um den schon erwähnten Rentierpulli – nicht zu kurz:

Eindeutiges Highlight des KultUp – abgesehen davon, dass uns freies WLAN eingerichtet wurde – war, dass die Teilnehmenden als Statisten auf der Bühne mitwirken durften und so hautnah erfuhren, dass es gar nicht so einfach ist, von links nach rechts im gleichen Takt über die Bühne zu gehen. Zumal, wenn man dabei noch twittern möchte 😉 :

Den gesamten spannenden Verlauf des KultUp haben wir zum Nachlesen zusammengefasst im Storify KultUp (8) – Opernprobe im Theater Heilbronn.

Direkter Austausch in der Theaterkantine

Im Anschluss waren wir noch in die Theaterkantine zum After-KultUp geladen, bei dem sowohl die Inszenierung als auch das neue Twitter-Kulturvermittlungsformat vom Team des Theaters und den Teilnehmenden rege diskutiert wurden:

Die vermutlich älteste Teilnehmerin in unserer Runde zeigte sich während dieser Diskussion als Einzige sehr erstaunt, dass weder das Theater noch wir von KultUp uns zum Ziel gesetzt haben, zukünftig aus jeder Theatervorstellung zu twittern. Obwohl es seinen Reiz haben mag, auch während einer Aufführung in die Köpfe der anderen im Publikum schauen zu können, wie es KultUp-Teilnehmerin Laura Geissler während der Probe formulierte:

Theater-Tweetup – Pro und Kontra

Es hat sich gezeigt, dass es schon während einer nur einstündigen Probe eine große Herausforderung ist, gleichzeitig alles zu verfolgen, zu reflektieren und weiterzugeben – selbst mit optimal ausgeprägten Multitaskingfähigkeiten. Als Zusatzangebot zu einer bevorstehenden Premiere/Vorstellung ist ein KultUp allerdings ein unschlagbares Format, weil die Teilnehmenden einmalige Einblicke in die Theaterarbeit erhalten und ihre Eindrücke unmittelbar mit den anderen Teilnehmenden vor Ort und ihren (und allen #kultup) Followern online teilen können. Gepaart mit den im Vorfeld verbreiteten Informationen, entsteht so ein völlig neuartiges Kulturvermittlungsangebot, das in der Unmittelbarkeit des Erlebens einzigartig und nur via Twitter möglich ist.

Die rege Beteiligung von Twitterern spiegelt das Interesse an diesem Format deutlich wider:

KultUp Kultur-Tweetup Theater Heilbronn Top Users

Auch im Vorfeld des Events war das Theater Heilbronn durch die täglichen Info-Tweets bereits Gesprächsstoff bei Twitter:

KultUp Kultur-Tweetup Theater Heilbronn Tweets by Volume

Und am Tag des Events führte #kultup die Liste der Top-Twitter-Hashtags in Deutschland an:

 

Als Organisatorinnen freuen wir uns nach unserem ersten KultUp von der Probe eines Sinfonieorchesters darüber, dass sich das Tweetup-Format auch bei einer Theaterprobe bewährt hat und wir während der kurzen Zeit einen lebendigen Eindruck von der Arbeit am Theater vermitteln konnten.

Ganz herzlich danken wir allen Beteiligten am Theater Heilbronn – allen voran Katrin Schröder (Öffentlichkeitsarbeit) – für die wunderbare Zusammenarbeit, die engagierte und perfekte Vorbereitung des Tweetup und dafür, dass sie sich als Erste auf dieses Experiment eingelassen und uns ihre Türen geöffnet haben.

Last but not least gilt unser Dank allen, die mitgetwittert und unser Motto „Tweet up your cultural life!“ mit Leben erfüllt haben. Über Verbesserungsvorschläge und Feedback freuen wir uns – gerne hier als Kommentar. Und natürlich freuen wir uns, wenn ihr auch bei den nächsten KultUps wieder dabei seid!

Der KultUp im Theater Heilbronn hat bereits Nachhall gefunden in mehreren TV- und Radiobeiträgen (zu finden auf unserer Medienseite) und folgenden Blogbeiträgen:

Die nächste Gelegenheit, einen Kultur-Tweetup mitzuerleben, besteht am Samstag, den 23.2.2013 von 18-20 Uhr. Unsere Kooperationspartner Kulturkonsorten laden ein zum #kukon-Tweetup in der Villa Stuck München: Am Altar der “Sünde”: Tweetup zum 150. Geburtstag von Franz von Stuck.

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5 thoughts on “KultUp (8) im Theater Heilbronn – Twittern von den Brettern, die die Welt bedeuten

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