Till Eulenspiegel: Wie setzt man einen Narren in Töne?

Till Eulenspiegel

Till-Eulenspiegel-Denkmal in Mölln
Foto: Birgit Schmidt-Hurtienne

„Jetzt bin ich daran, einen ‚Till Eulenspiegel bei den Schildbürgern‘ mir zurechtzulegen, eine ganz nette Handlung habe ich bereits zusammen, nur die Gestalt des Herrn Till Eulenspiegel sehe ich noch nicht ganz genau vor mir, das Volksbuch überlieferte nur einen Schalk, der als dramatische Figur zu seicht ist – eine Vertiefung der Figur nach der Seite der Menschenverachtung hin hat aber auch seine großen Schwierigkeiten.“

Leider ist uns nicht bekannt, wem Richard Strauss (1864-1949) diese Zeilen schrieb, während er sich Gedanken über die Hauptfigur seiner sinfonischen Dichtung „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ machte, die er in den Jahren 1894-1895 komponierte. Wir wissen nur, dass er seine anfänglichen Schwierigkeiten, den Meister der Schadenfreude und des Spotts musikalisch zu fassen, bravourös bewältigt hat.

Mit seinem Werk „nach alter Schelmenweise in Rondeau-Form“, wie er es selbst überschrieb, ist ihm ein geniales Orchesterscherzo gelungen. Mit der Schilderung verschiedener Eulenspiegeleien folgt das Stück zwar einem Programm, aber Richard Strauss wollte es nicht preisgeben:

„In Worte gekleidet, was ich mir bei den einzelnen Teilen gedacht habe, würde sich verflucht komisch ausnehmen und vielen Anstoß erregen. Wollen wir diesmal die Leutchen selber die Nüsse aufknacken lassen, die der Schalk ihnen verabreicht?“,

antwortete Strauss Franz Wüllner, dem Dirigenten der Kölner Uraufführung. Allerdings hat er die im Stück dargestellten Szenen (hier nachzulesen) handschriftlich in der Partitur vermerkt.

Der Vorhang hebt sich

Kaum hat das Orchester mit einer kleinen Melodie („Es war einmal ein Schelm“) die Erzählung eingeleitet, erscheint Till auch schon mit einem ungestümen, drängenden Motiv, gespielt vom Solohorn:

Wie setzt man einen Narren in Töne?

Sofort bringt er den tänzerischen 6/8 Takt des Stücks durcheinander. Er setzt nicht auf dem ersten, sondern erst beim zweiten Achtel ein, nimmt ohne Rücksicht auf die betonten Taktteile drei Mal Anlauf zu einem Sprung in die Höhe, von wo er sich dann gleich wieder hinabschwingt. Als Zuhörer wird einem da bereits schwindelig und man ahnt, mit wem man es in der nächsten Viertelstunde zu tun bekommt.

Beispielhafte Variationskunst

Das Till-Motiv vom Anfang erscheint während der folgenden Abenteuer in verschiedensten Abwandlungen: Teils erkennt man es eigenartig verkleinert in der Klarinette oder bedrohlich vergrößert in den Posaunen wieder. Auch das Geschimpfe der Genarrten wird lauter. Es hindert Till aber nicht daran, sie mit einem höhnischen Lachen zu verspotten und sich, einen Gassenhauer pfeifend, auf den Weg zu neuen Schandtaten zu machen.

Unsterblicher Till

Doch plötzlich ertönen Trommelwirbel und gefährlich drohende Quinten der Hörner, Posaunen und tiefen Holzbläser: Till geht es an den Kragen. Vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt, schwingt sich sein kleines Thema nochmals in höchste Höhen, bis Till am Galgen baumelt. Ein Triller in der höchsten Lage der Flöten beschließt sein Schicksal.

In der Sage aber lebt Till Eulenspiegel weiter. Seine Geschichten werden bis auf den heutigen Tag erzählt. Und so beschließt auch Richard Strauss seine sinfonische Dichtung wie sie begann und zitiert am Ende nochmals Tills Weise: Es war einmal ein Schelm …

Getwitter aus dem hr-Sendesaal

In großer Besetzung erweckt das hr-Sinfonieorchester unter José Luís Gómez Till Eulenspiegel am 16.09.2012 erneut zum Leben. Wir freuen uns sehr, dass wir mit dem KultUp (5) bei der Probe und Aufführung am Tag der offenen Tür der hr-Orchester hautnah dabei sein und über unsere Erlebnisse twittern können.

Wer von 11 bis 12:15 Uhr vor Ort oder online teilnehmen möchte, ist herzlich eingeladen und kann sich via Twitter oder in den Kommentaren zu diesem Blogbeitrag bei uns anmelden:
KultUp (5) – Backstage beim hr-Sinfonieorchester 

Für alle, die sich zuvor noch weiter über das Orchester, den Dirigenten, den Komponisten und das Stück informieren möchten, haben wir hier ein paar Informationen zusammengestellt:

Das Orchester:

Der Dirigent:

Der Komponist:

Das Stück:

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