Stammbücher: Archivar @EiserfeldWolf bringt Licht ins Dunkel

Als Vorbereitung oder auch zur Einstimmung – wie man’s nimmt – auf den kommenden KultUp im Museum für Angewandte Kunst am 10. Mai, 13 bis 14 Uhr, möchten wir erläutern, was es denn mit Stammbüchern überhaupt auf sich hat. Und wer, wenn nicht ein Archivar, könnte das uns und unseren Lesern besser erklären. Thomas Wolf, seit 2002 Leiter des Kreisarchiv Siegen-Wittgenstein (Blog siwiarchiv.de) und bei Twitter als EiserfeldWolf bekannt, hat uns einige Fragen beantwortet.

Thomas Wolf

Thomas Wolf

KultUp: Was ist ein Stammbuch überhaupt?
Thomas Wolf: Stammbücher sind quasi studentische „Freundebücher“. Studenten versicherten bei besonderen Anlässen (z. B. Wechsel des Studienortes) sich gegenseitig ihrer Freundschaft. Historisch bedingt enthalten Stammbücher auch Autographen von Professoren, die ebenfalls anlassbedingt erbeten wurden.

KultUp: Seit wann gibt es Stammbücher?
Thomas Wolf:
Stammbücher sind in der Frühen Neuzeit im Umfeld der Reformation entstanden. Zunächst als Sammlungen von Autographen der Reformatoren.

KultUp: Welche soziale/gesellschaftliche Bedeutung hatten Stammbücher?
Thomas Wolf:
Gerade die Eintragungen der Professoren gewannen für die Studenten die Qualität eines Empfehlungsschreibens oder eines Türöffners in sozial höhere Schichten.

KultUp: Was macht die Quelle „Stammbuch“, nicht nur für die Geschichtswissenschaft, heute noch interessant?
Thomas Wolf: Stammbücher sind Quellen für die Ausbildung wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Netzwerke – übrigens bis in das 19. Jahrhundert hinein überwiegend protestantischer Netzwerke. Sie geben Aufschluss über die Biographie ihres Besitzers. Daneben dokumentieren sie die Moden der jeweiligen Zeit.

Gerade biographische Angaben zu Berühmtheiten, wie auch immer man diese definiert, finden erfahrungsgemäß ein breiteres Interesse.

KultUp: Ist es ungewöhnlich, dass ein Museum Stammbücher im Bestand hat?
Thomas Wolf:
Stammbücher sind in der Regel Bestandteile eines Nachlasses oder sie geraten als Einzelstücke in die Bestände der sammelnden Institutionen, seien es Museen, Bibliotheken oder Archive. Wo ein Stammbuch aufbewahrt wird, ist dann vom Sammlungsprofil der Institutionen oder  dem Wunsch des Nachlassgebers abhängig.

Schriftliche Quellen in Museen, gerade in wissenschaftsgeschichtlichen, sind daher eher die Regel, wenn auch nicht so bekannt.

KultUp: Wo werden Stammbücher gemeinhin archiviert?
Thomas Wolf:
Museen, Bibliotheken und Archive sind die klassischen Aufbewahrungsorte für Stammbücher. Dieser anscheinenden Zersplitterung gilt es mit entsprechenden Hilfsmittel entgegen zuwirken, um den Zugang zu den Stammbüchern zu erlauben – z. B. durch das Repertorium alborum amicorum.

KultUp: Besitzen Sie im Kreisarchiv Siegen-Wittgenstein ebenfalls Stammbücher?
Thomas Wolf:
Nein. Das Kreisarchiv Siegen-Wittgenstein ist zunächst für die Überlieferung der seit dem 19. Jahrhundert bestehenden Kreisverwaltungen zuständig, so dass die Chance in diesen Unterlagen auf Stammbücher sehr gering ist. Lediglich im Bereich der Dokumentation der Kreisgeschichte wäre es vorstellbar Stammbücher zu erwerben oder einzuwerben.

Vielen Dank Herr Wolf für die Beantwortung  der Fragen.

Die Fragen stellte Ulrike Schmid

2 thoughts on “Stammbücher: Archivar @EiserfeldWolf bringt Licht ins Dunkel

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